Seit dem Rücktritt von Håkan Samuelsson war er kommissarischer Vorsitzender des Vorstands, jetzt wird das „kommissarisch“ gestrichen und Pachta-Reyhofen wird neuer Sprecher des Vorstandes der MAN SE. Dem Aufsichtsrat wurde der Abschlussbericht der internen Prüfung der Korruptionsvorwürfe vorgelegt. IG Metall und Betriebsrat begrüßten "Konsequenz und Kontinuität" der Entscheidungen.
Der Aufsichtsrat des Nutzfahrzeug-, Motoren- und Maschinenbaukonzerns hat in seiner heutigen Sitzung weitere wichtige personelle Entscheidungen beschlossen. Der 54-jährige Dr.-Ing. Georg Pachta-Reyhofen soll zugleich die Führung des Tochterunternehmens MAN Nutzfahrzeuge als Vorstandssprecher und Arbeitsdirektor übernehmen. Außerdem habe der Aufsichtsrat Klaus Stahlmann und Frank H. Lutz als stellvertretende Vorstände in den Vorstand der MAN SE bestellt, Lutz für den Bereich Finanzen, teilte das Unternehmen in einer Ad-hoc-Mitteilung mit.
MAN erklärt Ermittlungen für abgeschlossen
Die Staatsanwaltschaft am Landgericht München I hatte am Donnerstag die Ermittlungen wegen Korruptionsverdacht gegen MAN mit Bußgeldbescheiden in Höhe von insgesamt 150 Millionen Euro eingestellt. MAN verzichtete auf Rechtsmittel, weshalb die Ermittlungen sieben Monate nach Bekanntwerden des Skandals beendet sind. Der Aufsichtsrat begrüßt die Entscheidung des Vorstandes und die rasche Beendigung der internen Ermittlungen. Ebenso wurde mit den deutschen Finanzbehörden eine endgültige Einigung im Hinblick auf die steuerlich kritischen Zahlungen erzielt. Die daraus resultierende Steuernachzahlung beträgt rund 20 Mio. Euro.
Die mit der internen Prüfung der Korruptionsvorwürfe beauftragten Anwälte legten heute dem Aufsichtsrat ihren Abschlussbericht vor. Seit Mitte Mai hatten rund 70 Anwälte, Steuerexperten und Wirtschaftsprüfer Zahlungen der vergangenen zehn Jahre in allen Teilkonzernen der MAN Gruppe analysiert. Dabei wurden verdächtige Zahlungen in einer Höhe von insgesamt 51,6 Millionen Euro aufgedeckt. Insgesamt übergaben die internen Ermittler rund 80 Verdachtsfälle und die Ergebnisse des Amnestieprogrammes an die Staatsanwaltschaft.
MAN trennt sich infolge der Korruptionsvorwürfe von rund 20 Mitarbeitern und prüft, ob gegen einzelne Personen Schadensersatz geltend gemacht wird.
Arbeitnehmervertreter begrüßen "Konsequenz und Kontinuität"
Der heute erreichte Stand ist aus Sicht der Arbeitnehmervertreter der MAN SE geeignet, eine zukunftsfähige Compliance weiterzuentwickeln und so die Unternehmenskultur zu verbessern. "Mit den Personalentscheidungen auf Vorstandsebene zeigt MAN Konsequenz und Kontinuität. Pachta-Reyhofen steht mit seiner Erfahrung für das Unternehmen mit seinen beiden Bereichen Diesel / Turbo und Nutzfahrzeuge" so Thomas Otto, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der MAN SE. Im Aufsichtsrat der MAN SE wurden die Compliance-Vorwürfe ernsthaft angepackt. Ohne Rücksichtsnahmen wurden konsequent und schnell alle Fälle aufgearbeitet und die Schlüsselfunktionen im Vorstand neu besetzt.
MAN muss jetzt wieder alle Kräfte zur Überwindung der Absatzkrise bündeln. Jetzt gilt es in allen Bereichen noch aktiver zu werden: Umsätze steigern, Beschäftigung sichern und technologische Führung ausbauen. "Daran werden wir das neue Management messen. Gemeinsam werden wir die Krise meistern und gestärkt in die Zukunft blicken" sagt Jürgen Dorn, Konzernbetriebsratsvorsitzender und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der MAN Nutzfahrzeuge AG.
Pachta-Reyhofen
Der neue Vorsitzende der MAN SE hat Maschinenbau an der Technischen Universität Wien studiert, er hat einen Abschluss als Diplom-Ingenieur und 1985 zum Doktor der technischen Wissenschaften (Dr.techn.) promoviert. Seit 1986 ist Pachta-Reyhofen bei MAN in verschiedenen Funktionen tätig, er war u.a. Leiter der Motorenentwicklung der MAN Nutzfahrzeuge AG am Standort Nürnberg. Zum 1. Juli 2006 wurde Pachta-Reyhofen in den Vorstand der MAN SE berufen und übernimmt den Vorsitz im Vorstand der MAN Diesel SE. Die Suche nach einem neuen Vorstand war notwendig geworden, nachdem vor zweieinhalb Wochen Hakan Samuelsson überraschend zurückgetreten war.



