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25.10.2007
"Mit etwas mehr Ungerechtigkeit lebt es sich besser“

Ifo Chef Hans-Werner Sinn hat wieder zugeschlagen: Manager sollen ruhig zu viel verdienen dürfen, die neue Transparenz bei Managergehältern fördere den Neidkomplex der Menschen und sei deshalb schädlich für die Wirtschaft, im Extremfall könnten als Folge sogar Arbeitsplätze vernichtet werden. "Mit etwas mehr Ungerechtigkeit lebt es sich besser“.

Hans-Werner Sinn ist einer der führenden neoliberalen Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland. Der Abbau des Sozialstaats und die Deregulierung des Arbeitsmarkts sind seine Rezepte zur Lösung aktueller wirtschaftspolitischer und beschäftigungspolitischer Probleme. Sinns Rezepte bestehen vor allem aus Angriffe auf die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

 

Jetzt hat er wieder zugeschlagen. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom Mittwoch geißelt er die per Gesetz geforderte Offenlegung der Managergehälter und plädiert nachdrücklich für „mehr Ungleichheit in der Einkommensverteilung“.

 

Den großen Abstand der Managergehälter zu den übrigen Einkommen, nennt selbst Sinn ungerecht: „Nach meinem Gerechtigkeitsgefühl müsste die Lohnspreizung allenfalls durch den persönlichen Arbeitseinsatz erklärt werden - das wäre dann viel, viel weniger als das, was wir in unserer Marktwirtschaft haben.“

 

Aber Sinn wäre nicht Sinn, wenn er daraus nicht völlig andere Schlüsse ziehen würde als jeder Normalbürger: Er stellt die rein rhetorische Frage: „Was nützt es, wenn ich mich darüber ärgere, wenn es anders nicht geht?“

 

Herr Sinn! – Es geht anders! Und von einem Professor mit Lehrstuhl für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München dürfte man wohl etwas mehr Phantasie erwarten und nicht bloß die einfaltslose Behauptung, es gehe halt nicht anders.

 

Der Kühlschrank in der DDR

Die Frage der Süddeutschen, ob man dann vor den zu hohen Managergehältern lieber die Augen verschließen und schweigen solle, beantwortet Sinn mit einem Verweis auf die Situation in der ehemaligen DDR: „Die Leute haben sich darüber aufgeregt, dass Erich Honecker einen Kühlschrank hatte - die ausgelebte Neidpräferenz ging so weit, dass eben keiner einen Kühlschrank hatte.“

 

Was lernen wir daraus? Hätte die Menschen in Ostdeutschland ihrem Staatsratsvorsitzenden den Kühlschrank gegönnt, gäbe heut noch eine DDR – oder was will uns Sinn damit eigentlich sagen? Mal ganz davon abgesehen, dass es in der DDR sehr wohl Kühlschränke gab, wie Hans-Werner-Sinn zum Beispiel bei der Bundeszentrale für politische Bildung nachlesen kann, nach deren Angaben verfügten 1975 in der DDR 86 von 100 Haushalten über einen Kühlschrank und im Jahr 1980 jeder Haushalt.

 

Mit solchen Detailfragen hat sich Sinn noch nie aufgehalten. Kenntnis im Detail könnte ja als Sachkenntnis ausgelegt werden und die wollen wir Sinn nun wirklich nicht nachsagen.

 

Es ist schon ein dicker Hund, dass ein mit einem krisensicheren Lehrstuhl ausgestatteter, über öffentliche Mittel finanzierter Wirtschaftsprofessor nichts anderes zu tun hat, als sich um die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der Menschen Gedanken zu machen, die sein Gehalt über ihre Steuern finanzieren.

 

Dieser Herr fordert für die Beschäftigten in der Bundesrepublik polnische Löhne und kassiert selber zwei Gehälter (als Direktor des Center for Economic Studies (CES) der LMU München  und als ifo-Präsident) auf Kosten der Steuerzahler.

 

Für seinen Namen kann der Herr Sinn ja nichts. Aber er kann sehr wohl etwas dafür, wenn er solch unmöglichen Unsinn daher schwätzt.

 

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