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22.04.2009
Mahle: Proteste bringen Geschäftsleitung an den Verhandlungstisch

Völlig überraschend verkündete die Geschäftsleitung des Kolbenherstellers Mahle Ende März 2009, dass der Betrieb in Alzenau (bei Aschaffenburg) geschlossen werden soll. Seither kämpft die Belegschaft und mit ihr viele Bürger gegen diesen Beschluss. Der Widerstand zeigt erste Erfolge: Die Geschäftsleitung des Unternehmens nahm die Verhandlungen über die Zukunft von Alzenau wieder auf.

424 Kolleginnen und Kollegen, darunter 14 Auszubildende, sind von der drohenden Schließung betroffen. Mahle gehört zu den 30 größten Automobilzulieferern weltweit. Insgesamt sind rund 48.000 Menschen bei Mahle beschäftigt, davon 9 000 in Deutschland. Die Geschäftsleitung begründet ihren Schritt mit den Verlusten (etwa 70 Millionen Euro seit 2005), die das Werk angeblich eingefahren habe. Herbert Reitz, der erste Bevollmächtigte der IG Metall in Aschaffenburg: „Das ist zwar mathematisch korrekt. Allerdings wurden Fehlbeträge zwischen den einzelnen Betrieben hin- und hergeschoben. Denn es lohnt sich, Verluste in Deutschland abzuschreiben, während Gewinne in Polen zehn Jahre lang steuerfrei bleiben.“ Die Geschäftsleitung würde die Öffentlichkeit mit Halbwahrheiten füttern. In der Vergangenheit hatte die Alzenauer Mahle-Belegschaft bereits erhebliche Zugeständnisse gemacht, um den Standort zu sichern. Im Gegenzug hatte sich die Geschäftsleitung im Dezember 2006 verpflichtet in den Betrieb zu investieren und das Werk zu erhalten. Im März 2009 hatte die Firmenleitung die Verhandlungen über einen Innovationstarifvertrag abgebrochen. Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall in Bayern auf einer Kundgebung in Alzenau: „Die Schließung ist hirnlos und konzeptlos. Die hoch dotierten Manager müssen die Verhandlungen über den Innovationstarifvertrag wieder aufnehmen. Sonst wird es hier in Alzenau und anderswo rundgehen.“ Die wochenlangen Proteste in Alzenau, die Solidarität den Kolleginnen und Kollegen an den anderen Mahle-Standorten, sowie die Aktivitäten der Lokalpolitiker führten Ende April 2009 schließlich zu einem gewissen Einlenken der Geschäftsleitung. Die Gespräche mit der IG Metall und dem Betriebsrat wurden wieder aufgenommen. Der Aschaffenburger IG Metall-Chef Herbert Reitz: „Ohne die vielfältigen Proteste und Kundgebungen der Belegschaft und der Bevölkerung hätten wird das nicht erreicht.“

Mahle: Eine Region steht auf

Die drohende Betriebsschließung von Mahle in Alzenau hat in der Region zu einer großen Koalition von Gewerkschaft, Politik und Verbänden geführt. Ein großes Transparent mit der Aufschrift: „CSU mit Mahle- Arbeitnehmern solidarisch!“ – der Kampf der Bevölkerung von Alzenau gegen die drohende Betriebsschließung macht auch das möglich. Die Formen des Protests sind vielfältig: von der Mahnwache vor dem Betrieb, der Anlaufstelle für vielfältige Solidaritätsbekundungen, über Protestmärsche und Kundgebungen mit Tausenden von Teilnehmern bis hin zur Unterstützung durch die Fußballmannschaft der FC Bayern Alzenau (Aufstiegskandidat in der Hessenliga). Der Alzenauer Mahle-Betriebsratsvorsitzende Dieter Wissel: „Wir sind überwältigt.“ Zu einer Demonstration gegen die geplante Werksschließung am 18. April 2009 waren mehr als 3.000 Teilnehmer gekommen, doppelt so viele wie erwartet. Für die Region wäre der Verlust von mehr als 400 Arbeitsplätzen ein herber Schlag. Für Empörung, nicht nur bei den Mahle-Beschäftigten, hatte aber auch das brachiale Vorgehen der Geschäftsleitung gesorgt. Statt dem durch die Wirtschaftskrise verursachten Absatzrückgang mit Kurzarbeit zu begegnen, soll das Werk gleich ganz dicht gemacht werden. Statt sich an die Vereinbarungen aus dem Beschäftigungssicherungs-Tarifvertrag zu halten, der unter anderem Investitionen für das Alzenauer Werk vorsieht, ist die Geschäftsleitung dieser Verpflichtung nur teilweise nachgekommen. Dabei ist Alzenau mit einem besonderen Verfahren zur Oberflächenbeschichtung von Kolben anerkannter und geschätzter Zulieferer für viele Automobilfabriken – auch bei der Formel 1 werden die Produkte aus Alzenau verwendet. Betriebsratsvorsitzender Dieter Wissel: „Wir werden um unser Werk kämpfen. Der Widerstand im Werk und in der Region geht weiter, bis wir zu einer befriedigenden Lösung mit der Geschäftsleitung kommen.“

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