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10.09.2007

Von: MJ

Hartz IV zu wenig für gesunde Kinderernährung

Der Hartz-IV-Regelsatz reicht nicht aus, um Kinder und Jugendliche gesund und ausgewogen zu ernähren. Selbst wer nur beim Discounter kauft, muss im Schnitt 4,68 Euro täglich hinblättern, um den Appetit eines Teenagers mit ausgewogener Kost zu stillen. Der Gesetzgeber sieht bei 14- bis 18-Jährigen jedoch nur Ausgaben von täglich 3,42 Euro vor.

gesunde Ernährung
zu teuer für Harz IV-Empfänger

Zu diesem Ergebnis kommt das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) der Universität Bonn in einer umfangreichen Studie.

 

Über 2,6 Millionen Kinder betroffen

Nach Angaben des Deutschen Kinderschutzbundes leben mehr als 2,6 Millionen Minderjährige auf Sozialhilfeniveau. Die Dunkelziffer schätzt der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, sogar auf das Doppelte.

 

2,57 Euro pro Tag für die Ernährung der Kinder

Zur Sicherung des Lebensunterhaltes steht Empfängern von Arbeitslosengeld II heute ein Betrag von 347 Euro pro Monat zur Verfügung. Für Kinder gibt es pauschal 60 Prozent dieses Regelsatzes, für Jugendliche 80 Prozent. "Rund ein Drittel dieser Summe veranschlagt der Gesetzgeber für Nahrung, Getränke und Tabakwaren", erklärt Dr. Mathilde Kersting, die stellvertretende Leiterin des FKE. "Das sind gerade mal 2,57 Euro täglich für Kinder und 3,42 Euro für Jugendliche ab 14 Jahren. Damit lässt sich nach unseren Erkenntnissen eine ausgewogene Ernährung nicht realisieren."

 

Für die Studie erhoben die Forscher bereits im März 2004 in Dortmund die Preise von mehr als 80 Lebensmitteln. Die Testkäufe erfolgten in Supermärkten der Ketten REWE und Edeka, bei den Discountern Aldi und Lidl sowie in einem Bioladen. Danach berechneten die Wissenschaftler die Kosten für ein vom Institut entwickeltes Ernährungskonzept, eine ‚‚optimierte Mischkost’’, das eine gesunde Ernährung zu günstigen Preisen ermöglichen soll.

 

Je älter, desto größer klafft die finanzielle Lücke

"Für vier- bis sechsjährige Kinder reichen die veranschlagten 2,57 Euro gerade aus - allerdings auch nur, wenn die Lebensmittel beim Discounter gekauft werden", fasst Mathilde Kersting die Ergebnisse zusammen. "Wer in normalen Supermärkten zugreift, kommt mit dem Geld nicht hin: Dort muss man durchschnittlich 3,86 Euro hinblättern." Mit zunehmendem Alter klafft die finanzielle Lücke noch weiter auseinander: So verzehrt ein Fünfzehnjähriger, der sich ausgewogen ernähren möchte, im Schnitt Lebensmittel im Wert von 4,68 Euro täglich (Discounter) bzw. 7,44 Euro (Supermarkt).

 

"Für Empfänger von Arbeitslosengeld II ist es kaum möglich, ihre Kinder ausgewogen und gesund zu ernähren", resümiert Kersting. Das FKE empfiehlt daher, die aktuellen Regelsätze für Kinder und Jugendliche zu überdenken. Mit mehr Geld allein sei es allerdings nicht getan. "Wichtig ist es auch, diese Bevölkerungsgruppe von dem Nutzen einer ausgewogenen Ernährung zu überzeugen. Wir müssen einfacher umsetzbare Maßnahmen entwickeln, um die Familien besser als bisher mit unseren Ernährungsinformationen zu erreichen."

 

 

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