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25.07.2007
Neues Gesicht der AUB

Die AUB trifft sich am kommenden Samstag zum Neuanfang. In Nürnberg will sie einen neuen Vorstand wählen, eine neue Satzung beschließen und wohl überhaupt so ziemlich alles erneuern, was ihr in den vergangenen Monaten nach jahrelang gewachsenem Selbstbewusstsein mit einem Schlag und lautem Getöse auf die Füße fiel. Man darf gespannt sein.

Die Einladung an die Mitglieder lässt erahnen, was man vor der Öffentlichkeit tunlichst hinter einer Mauer aus "habe ich nicht gewusst" und "geht nur Herrn Schelsky etwas an" zu verharmlosen versucht: "Wir alle haben in den letzten Monaten viel durchgemacht und manche Nerven lagen oder liegen immer noch blank."

 

Neues Gesicht...

Im Mittelpunkt der Versammlung dürften ein komplett ausgetauschter Vorstand und eine neue Satzung stehen; erklärtes Ziel: "Zeigt das neue Gesicht der AUB!"

 

Eines der Merkmale in diesem neuen Gesicht wird voraussichtlich sein, dass es weniger von Siemens geprägt ist. Unter den derzeit sechs Kandidatinnen und Kandidaten für den neuen Bundesvorstand findet sich nur noch eine Siemens-Betriebsrätin. Bisher gibt es mit Peter Pogrzeba und Roland Scholz (beide SBS/SIS) gleich zwei davon, abgesehen natürlich vom Ex-Vorsitzenden Wilhelm Schelsky, der bekanntlich ebenfalls von Siemens stammt.

 

Ein näherer Blick auf das Schriftstück, das dem traditionell nach außen wie innen eher verschlossenen Verein mehr Transparenz verleihen soll, stimmt dennoch nachdenklich: "Der Zweck und die Aufgaben der AUB sind nahezu unverändert aus der derzeit geltenden Fassung übernommen [...]", heißt es in den der Einladung beiliegenden "Anmerkungen zur Neufassung der Satzung".

 

... und neue Finanzierung

Eine wesentliche Ergänzung sticht jedoch sofort ins Auge: Ausdrücklich wird künftig "klargestellt, dass die Aufgaben der AUB unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit stehen." Das ist an sich meist eine Selbstverständlichkeit, und folglich hier keine ganz geglückte Formulierung - suggeriert sie doch im Zusammenhang mit den Enthüllungen über das System AUB-Siemens, dass Finanzierbarkeit in der Vergangenheit nie so recht ein Thema war.

 

Verjüngungskur zum Neustart?

Die AUB plant offenbar, die hektische Distanzierung zu allem, was vor dem Februar 2007 geschah, mit neuen Gesichtern abzurunden. Beim Startschuss zur Neuausrichtung im Zuge einer Mitgliederversammlung am 28. Juli sollen sich, ganz im Gegensatz zu früheren Gepflogenheiten, gleich sechs Kandidaten zur Wahl stellen, die in der "alten" AUB nicht zur Führungsriege zählten.

 

Wie der Tagesspiegel aus AUB-Kreisen vermeldet, zählen dazu Christina Bosse (Betriebsrätin Siemens TS Braunschweig), Andreas Braum (Commerzbank), Rainer Knoob (Airbus Hamburg), Kay Strelow (Gesamtbetriebsratschef der Baumarktkette Hornbach), Michael Guder (Phonehouse) sowie André Krejcik, der (übrigens gemeinsam mit Klaus Kleinfeld) als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat von Bayer sitzt. Er kandidiert auch für die Übernahme des schweren Erbes von Wilhelm Schelsky als Vorsitzender der "Neuen AUB".

 

"Es gibt keine AUB-Krise!"

Die AUB übt sich unterdessen in lautstarken Äußerungen, wie ernst es ihr mit einem ganz neuen Start ist - wenngleich sie im selben Atemzug emsig versichert, eigentlich habe sie sich als Organisation ja gar nichts vorzuwerfen: "Es gibt keine AUB-Krise!" Wenigstens räumt man ein, es gebe "allerdings eine Affäre Siemens/Schelsky".

 

Auf der bevorstehenden Versammlung in Nürnberg sollen die Mitglieder nun vorsichtshalber eine neue Satzung beschließen, mit der die "Unabhängigen" transparenter und basisdemokratischer werden als bisher. Das dürfte nicht schwerfallen, hat es doch unter dem Zepter Schelskys gut zwanzig Jahre eine derart intransparente und autokratische Führung gegeben, dass selbst seine Vertreterin Ingrid Brand-Hückstädt nichts, aber auch rein gar nichts, von den Verfilzungen mit Siemens gewusst oder gemerkt haben will.

 

Beitragserhöhung um 50 Prozent

Schmerzlich dürfte sich das nun unter anderem in einem Punkt bemerkbar machen, der unmittelbar mit den früheren Finanzstrukturen zusammenhängt: Die Mitgliederversammlung soll über eine Beitragserhöhung um satte 50 Prozent abstimmen. Der Betrag würde damit von acht auf zwölf Euro steigen. Außerdem will man einen Nachtragshaushalt für 2007 und den neuen für 2008 beschließen; in diesem Zusammenhang müsste eigentlich auch ein Rechenschaftsbericht auftauchen, der den aktuellen Kassenstand enthält. Darüber mochte man in Nürnberg bisher lieber nichts sagen - es bleibt abzuwarten, ob er nach dem abrupten Austrocknen früherer Kanäle nun alarmierend wenig oder aber verdächtig viele Reserven ausweist.

 

 

Dateien:
AUB-Broschuere-07_01.pdf
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