Mit Aktionen in den Innenstädten von Schweinfurt, Würzburg und Aschaffenburg hat die IG Metall-Jugend Passanten auf die Ausbildungsplatzmisere aufmerksam gemacht.
Mit einer Postkartenaktion fordert die IG Metall-Jugend Aschaffenburg eine „Zukunft für die Jugend“ und will diese Wirtschaftsminister Michael Glos überreichen.
Aus dem Ausbildungsjahr 2006 sind 17.000 Jugendliche ohne eine Ausbildungsmaßnahme. Das bedeutet: 17.000 mal Frust und begrabene Hoffnungen.
Diese Situation ist nicht neu, bereits in den Jahren zuvor ist die Ausbildungsplatzbilanz negativ und die Situation verschärft sich von Jahr zu Jahr. Eine IG Metall-Auswertung der Agenturzahlen zeigt, dass bis zu 50 Prozent der aktuellen Bewerber/-innen aus den Vorjahren stammen.
Die Jugendlichen, die bereits in den Vorjahren keine Ausbildungsstelle fanden und jetzt als so genannte Altbewerber einen Ausbildungsplatz suchen, haben immer weniger Chancen. Mit steigendem Alter der Bewerber sind die Betriebe nicht mehr bereit, diesen Jugendlichen eine Chance zu geben. Die Betriebe stehen weiterhin in der Verantwortung mehr zu tun. Nur so kann der steigende Fachkräftebedarf gedeckt werden.
Laut den aktuellen Meldungen der Arbeitsagentur für den Ausbildungsmarkt Aschaffenburg im Mai stehen den 3.503 Ausbildungsplatzbewerbern lediglich 1906 Ausbildungsstellen gegenüber. Die IG Metall begrüßt alle Bemühungen der Stadt, der Arbeitsagentur und auch der Industrie- und Handwerkskammern, die zu zusätzlichen Ausbildungsplätzen führen. Doch letztendlich müssen andere Stellräder jetzt angegangen werden, um grundsätzlich an der Ausbildungssituation etwas zu verändern.
Sabine Scherger, Mitglied des Leitungsgremiums der IG Metall-Jugend erläutert: „Diese Zahlen sind Grund genug, jetzt endlich Druck aufzubauen. Obwohl die Unternehmen mit ihrem Ausbildungspakt die selbst gesteckten Ziele erreicht haben, konnte wiederum nicht allen Jugendlichen ein betrieblicher Ausbildungsplatz angeboten werden.“ Es ist zu bedauern, dass lediglich nur noch ein Viertel der ausbildungsfähigen Betriebe überhaupt Jugendlichen den Start ins Berufsleben ermöglichen.
Mit über 15.000 Postkarten geht die IG Metall-Jugend ins Rennen. Sie wirbt bei der Bevölkerung und den Beschäftigten in den Metall- und Elektrobetrieben für eine gesetzliche Regelung, die ausbildungsfähigen Betrieben, die zu wenig oder gar nicht ausbilden verpflichtet, für ihre Ausbildungsverweigerung eine Umlage zu zahlen, um damit ausreichend Anzahl von Ausbildungsplätzen zu finanzieren. Kritisch betrachtet die IG Metall-Jugend den aktuellen Vorschlag der großen Koalition. Betriebe, die über ihren eigenen Bedarf hinaus Lehrlinge ausbilden, sollen nach dem Willen der Koalitionsfraktionen künftig weniger Arbeitgeberbeiträge zur Arbeitslosenversicherung bezahlen. Dies sieht ein von den Fraktionen von SPD und Union beschlossener Antrag vor, der an diesem Donnerstag im Rahmen der Bundestagsdebatte über die Berufsbildung eingebracht werden soll. „Um ausreichend Ausbildungsplätze zu schaffen, kann der Vorschlag der großen Koalition auch nicht zielführend sein. Klar ist es gut, dass die vorbildlichen Unternehmen belohnt werden, aber mit der angedachten Reduzierung der Arbeitslosenbeiträge für Betriebe die ausbilden, mogeln sich auch weiterhin die Betriebe aus der Affäre, die bereits jetzt schon nicht genug oder überhaupt nicht ausbilden“, ergänzt Dennis Weber, ebenfalls Mitglied des Leitungsgremiums der IG Metall-Jugend hier vor Ort.
„Wir wollen mit dieser Aktion als IG Metall-Jugend Aschaffenburg auf die fast aussichtslose Situation für Jugendliche in der Region Untermain aufmerksam machen. Diese Aktion symbolisiert die nahezu chancenlose Suche nach einem betrieblichen Ausbildungsplatz, der sich Jugendliche ausgesetzt sehen“, so der zuständige Gewerkschaftssekretär Percy Scheidler der IG Metall Aschaffenburg.




