aktueller Pfad: Home » Nachrichten » Ansicht
29.01.2010
Protest bei Siemens in Bad Neustadt

In den beiden Siemens-Standorten in Bad Neustadt (Saale) sollen insgesamt 840 Jobs bis Ende 2011 gestrichen werden. Davon über 500 bereits in diesem Jahr. Mit Betroffenheit, Entsetzen und absoluter Fassungslosigkeit nahmen die Beschäftigten die Nachricht auf. An einer spontanen Protestaktion der IG Metall beteiligten sich 1.000 Kolleginnen und Kollegen.

Über 1.000 Siemensianer vor dem Werk
(zum Vergrößern bitte anklicken)

Betriebsratsvorsitzender Bernhard Omert

Sofortige Reaktion der IG Metall

Unmittelbar nach der Mitteilung des Konzerns kam es in Bad Neustadt um 11.15 Uhr zu einer spontanen Protestaktion durch die IG Metall. Ca. 600 Kollegen aus dem Werk in Brendlorenzen treffen um 11.20 Uhr am Siemens Haupttor ein, unter großem Jubel der bereits wartenden Kollegen wurden sie empfangen.

Für die Beschäftigten steht fest, was der Betriebsratsvorsitzende Bernhard Omert auch gegenüber der Presse betonte: "Wir nehmen das nicht so hin, wir werden um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen!"

Der IG Metall Betriebsbetreuer Jens Öser rief den demonstrierenden Beschäftigten in seiner Rede den treffenden Satz zu: „Auch Siemens muss lernen, Millionen sind stärker als Millionäre“

Der Hauptredner und 2. Bevollmächtigte Peter Kippes verwies in seiner Ansprache auf die Bedrohung durch Hartz IV bis hin zur Ankündigung, eine „überbetriebliche Solidaritätsbewegung“ zu organisieren, um der „Renditegier entgegenzuwirken“.

Der Betriebsratsvorsitzende Bernhard Omert betonte, dass spätestens heute klar geworden sei, wofür man die IG Metall brauche, und was sie wert sei. Er dankte anschließend noch für die Unterstützung und sofortige Reaktion der IG Metall.

Siemens will Fertigungskapazitäten "nachhaltig anpassen"

Per Mitarbeiterbrief hatten Divisions-CEO Klaus Helmrich und sein CFO Thomas Rathmann über die geplanten "Struktur- und Kapazitätsanpassungen bei Drive Technologies" informiert. Man gehe davon aus, die Volumina der vergangenen Jahre auf absehbare Zeit nicht wieder zu erreichen und müsse daher die Fertigungskapazitäten "nachhaltig auf das deutlich niedrigere Marktniveau anpassen."

Den Technologiewandel anderswo angehen?

Als Begründung muss der Technologiewandel zu energieeffizienten Niederspannungsmotoren kleiner Leistung herhalten, die man künftig im tschechischen Mohelnice fertigen will. Hinzu komme eine konjunkturbedingt zu niedrige Auslastung, die auch für die entfallenden Stellen in Erlangen den Ausschlag gebe. Abschließend versucht der Brief zu beruhigen, die frühzeitige Ankündigung erhöhe "die Möglichkeiten, sozialverträgliche Lösungen zu erarbeiten".

Erst betroffen und geschockt, ...

Für die betroffenen SiemenanerInnen in Bad Neustadt ist das verständlicherweise kein Trost. Sie sind geschockt über die Pläne, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Bernd Omert am Rande der Protestkundgebung, zumal sich diese auf die ganze Region auswirken: "Was es bedeutet, wenn im strukturschwachen Bad Neustadt 840 Arbeitsplätze wegfallen, muss ich keinem erklären."

... dann wütend und zum Widerstand entschlossen

Für ihn und seine Kolleginnen und Kollegen steht daher genauso wie für die IG Metall eindeutig fest: "Wir nehmen das nicht so hin, wir werden um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen!" Die anfängliche Betroffenheit wandelte sich schnell zu Wut und Empörung. Die TeilnehmerInnen der Kundgebung unterstrichen den Willen zum Widerstand, unterstützt durch Vertreter der örtlichen und regionalen Politik - Landrat Thomas Habermann und Bürgermeister Bruno Altrichter waren kurzfristig erschienen und kündigten an, gemeinsam mit der Belegschaft vorzugehen.

Druckansicht weiterempfehlen
Share/Bookmark/Subscribe


Tarifrunde 2012

Kampagnen der IG Metall:

Sie benötigen eine aktuelle Version des Flash-Players, damit dieses Video angezeigt werden kann.
Flash-Player aktualisieren.

Sie benötigen eine aktuelle Version des Flash-Players, damit dieses Video angezeigt werden kann.
Flash-Player aktualisieren.