(Nürnberg) Klarer konnte die Entscheidung der Nürnberger AEG-Belegschaft nicht sein: Mehr als 96 Prozent der anwesenden IG Metall-Mitglieder stimmten mit „JA“ zum Streik zur Durchsetzung eines Sozialtarifvertrags für die rund 1 600 Tarifbeschäftigten.
„Mit diesem Votum muss jedem bei Electrolux und AEG klar sein: die Belegschaft nimmt nicht ohne Weiteres den Schließungsbeschluss hin. Sie lässt sich nicht nach einem Jahr in die Sozialhilfe abschieben. Das verhindern wir gemeinsam mit den Beschäftigten“, sagte Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern.
Die IG Metall und der AEG-Betriebsrat fordern erneut Electrolux auf, den unsinnigen Schließungsbeschluss aufzuheben und das hochprofitable Nürnberger Werk weiter auszulasten, dann könnte innerhalb von wenigen Stunden die Arbeit aufgenommen werden.
Leider muss die Belegschaft die materiellen Folgen der bis 2007 geplanten Werksschließung alleine tragen. Neugebauer: „Wir müssen uns mit den negativen Auswirkungen herumschlagen. Um diese abzumildern fordern wir einen Sozialtarifvertrag, der von Arbeitsplatzangeboten, Qualifizierungsmaßnahmen bis deutlich verbesserten Abfindungsbeträgen für die Betroffenen reicht“. Darum fordert der Gewerkschafter endlich ein Angebot des Unternehmens, „über das auch verhandelt werden kann. Alles andere verhindert eine zeitnahe Regelung und verlängert den Konflikt."
In den letzten Tagen werde seitens AEG versucht, der IG Metall in der Öffentlichkeit den „Schwarzen Peter“ zuzuschieben. „Leider sind die Fakten anders. AEG hat Wortbruch begangen und bei der letzten Verhandlung kein Anbot vorgelegt. Da war das Ende der Fahnenstange für uns und die Belegschaft erreicht“, stellte Neugebauer fest. Für die Gewerkschaft sei nie, wie von AEG behauptet, der Streik ein Ziel gewesen, sondern eine tragbare Lösung für die Belegschaft. „Das Gegenteil ist richtig: Durch sein wochenlanges starres Verhalten habe das Unternehmen den Streik gerade zu provoziert."
Wenn notwendig, dann ist diese kämpferische Belegschaft für eine längere Auseinandersetzung bereit. Das zeigen die Aktionen der letzten Wochen und das hervorragende Urabstimmungsergebnis, sagte Jürgen Wechsler, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Nürnberg. „Gewinner werden am Ende sicher die Beschäftigten sein und nicht der Electrolux-Konzern.
In Abstimmung mit dem Vorstand der IG Metall und der IG Metall Bayern hat die betriebliche Streikleitung beim AEG Hausgerätewerk den Streikbeginn für Freitag, den 20. Januar, festgelegt. Der Streik beginnt mit der Frühschicht um sechs Uhr. Harald Dix, betrieblicher Streikleiter bei AEG, fordert die gesamte Belegschaft auf, am Streik zur Durchsetzung des Sicherungstarifvertrags teilzunehmen. Erste Streikversammlungen finden am Freitag jeweils zum Schichtbeginn vor dem Werkstor statt.


