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25.08.2008
Wenig Zeit für einen langen Weg

Vor der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie klaffen die Vorstellungen der Tarifparteien meilenweit auseinander. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie, Bertram Brossardt, macht in Pessimismus und verlangt von der IG Metall Zurückhaltung bei den Mitte Oktober beginnenden Verhandlungen.

Brossardt sieht auf die Metall- und Elektroindustrie schwierige Zeiten zukommen, beschwört das Ende des Aufschwungs und malt ein düsteres Bild insbesondere für die bayerische Automobilindustrie. Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern sagte dazu: "Jetzt geht das Gejammere der Arbeitgeber schon 3 Monate  vor der Tarifrunde los, sonst habe sie damit wenigstens bis zum Beginn der Tarifrunde gewartet".

Bei so viel Schwarzmalerei wundert es nicht, dass Brossardt auch gleich noch eine neue Lohnformel erfindet: "Wir können nicht die Gesamtinflation abbilden. Die Kerninflation schon", zitiert ihn die Nachrichtenagentur Reuters. Die Kerninflation lag zuletzt bei 1,9 Prozent. In diesem Wert wird - im Gegensatz zur Gesamtteuerungsrate - die Steigerung Energiepreise herausgerechnet. Gerade so, als würden die Beschäftigten die explosionsartig gestiegenen Energiepreise nicht bezahlen müssen. Neugebauer: "

Die Preise, die die Beschäftigten für Miete, Energie und Lebensmittel zahlen müssen, steigen nicht nur um die Kerninflation. Der Versuch von Herrn Brossardt hier eine neue Formel zur Tarifrunde zu erfinden, ist nicht zielführend. Die Manager haben mit ihrer Gehaltssteigerung um 7,5 Prozent die Vorlage geliefert"

Bisher galt es zwischen den Tarifparteien als unstrittig, dass sich Lohnerhöhungen aus der Summe von Preissteigerungsrate und Produktivitätssteigerung zusammensetzen, wobei die IG Metall auch immer versucht hat, darüber hinaus eine Umverteilungskomponente durchzusetzen. Von dieser gemeinsamen Linie verabschiedet sich Brossardt nun schon zwei Monate vor dem eigentlichen Beginn der Tarifrunde, das lässt heftige und harte Auseinandersetzungen erwarten.

Die IG Metall wird ihre Forderung Mitte September beschließen, derzeit wird die Forderungshöhe in den Betrieben diskutiert, dabei zeichnet sich eine höhere Forderung als im letzten Jahr ab. Berthold Huber hatte bereits Mitte August in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung gesagt: "Den Leuten reicht keine Lohnerhöhung von vier Prozent. Das wären der gesamtwirtschaftliche Produktivitätsfortschritt von 1,5 Prozent plus einer durchschnittlichen Preissteigerung von 2,5 Prozent. Das entspricht nicht den Erwartungen der Menschen … Wir werden neben Inflation und Produktivität auch das Ungerechtigkeitsempfinden der Menschen in unserer Forderung aufgreifen.“

Wenn Brossardt von einer Lohnerhöhung von nur knapp zwei Prozent träumt, dann werden die bayerischen Arbeitgeber einen weiten Weg in kurzer Zeit zurücklegen müssen, denn bis Weihnachten bleibt nur wenig Zeit und vorher sollte die Tarifrunde abgeschlossen sein, zumindest soweit besteht Einigkeit zwischen vbm und IG Metall.

 

„Vorauseilende Pessimismus der Arbeitgeber“

Der stellvertretende Vorsitzende der IG-Metall, Detlef Wetzel, wehrte sich in einem Gespräch mit dem Handelsblatt gegen den "Pessimismus der Arbeitgeber" und forderte von den Arbeitgebern bei den bevorstehenden Verhandlungen "realistischen Optimismus".

Wetzel wandte sich gegen die übliche Schwarzmalerei der Arbeitgeber im Vorfeld von Tarifverhandlungen: "Der vorauseilende Pessimismus der Arbeitgeber bekommt unserer Konjunktur überhaupt nicht." Wer den Menschen ständig einrede, es gehe mit der wirtschaftlichen Entwicklung bergab, leiste einen Beitrag zur Verschlechterung der Situation. "Die Arbeitgeber, die jetzt klagen, sollten im Hinterkopf behalten, dass die Hälfte der wirtschaftlichen Entwicklung rein psychologisch bedingt ist." Niemand könne ein Interesse daran haben, die Lage schlechtzureden.

 

Metallbranche mit der relativ besten Verteilungsbilanz

Das WSI-Tarifarchiv in der Hans-Böckler-Stiftung hat in einer Übersicht die Entwicklung von Forderungen und Abschlüssen in der Metall- und Elektroindustrie seit Beginn der 1990er Jahre zusammengestellt. Die höchste Lohnforderung stellte die IG Metall mit zehn Prozent im Jahr 1991 auf.

In den vergangenen zehn Jahren von 1998-2007 habe die IG Metall mit ihren Tarifabschlüssen den neutralen Verteilungsspielraum im Wesentlichen ausgeschöpft, analysiert der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Dr. Reinhard Bispinck. Das heißt, die Preissteigerungsrate wurde ausgeglichen und die tariflichen Reallöhne in der Metallindustrie wurden in etwa im Ausmaß des Anstiegs der gesamtwirtschaftlichen Arbeitsproduktivität angehoben (siehe Grafik).

 

Damit weise die Metallbranche im Vergleich zu den anderen großen Wirtschaftszweigen die relativ beste Verteilungsbilanz auf, so Bispinck. Im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt blieben die Tarifanhebungen deutlich unter dem neutralen Verteilungsspielraum. „In der Folge kam es zu einer kräftigen Umverteilung zugunsten der Gewinneinkommen“, sagt der Wissenschaftler.

 

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Tarifrunde 2012

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