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24.04.2007
Siemens VDO Würzburg: kein Verkauf an Brose

Die Verhandlungen über den Verkauf von Siemens VDO in Würzburg an Brose sind gescheitert. Am Montag wurden die MitarbeiterInnen per E-Mail informiert, dass "Unterschiede in der Einschätzung des Wertes von MD zwischen Siemens VDO und dem potenziellen Käufer bestanden".

Automobilzulieferer Brose, der als größter Interessent am Würzburger Werk galt, hat offenbar einen Rückzieher gemacht. Werner Flierl von der IG Metall Würzburg sieht das als ersten Erfolg der engagierten Proteste der Beschäftigten gegen einen Verkauf: "Es ist die feste Überzeugung der IG Metall, dass Brose wegen der massiven Aktionen am Freitag vor einem Kauf des Werks zurückgeschreckt ist." In der offiziellen Begründung des Bereichsvorstands Wolfgang Dehen in einem Mitarbeiterbrief kommt dieser Aspekt natürlich nicht vor: "Zwischenzeitlich haben wir die Sondierungsgespräche abgebrochen, da Unterschiede in der Einschätzung des Wertes von MD zwischen Siemens VDO und dem potenziellen Käufer bestanden."

 

"Hätte gut ins Portfolio gepasst"

 

Brose wird zwar namentlich im Brief des Vorstands von Division Electric Motor Drives (MD) nicht genannt, aber die Tatsache, dass MD "gut in das Portfolio dieses Kunden gepasst" hätte und man deshalb "den Vorschlag intensiv geprüft" habe. Übrigens: Nachdem Belegschaft, Betriebsrat, Gewerkschaft und Politiker tagelang und intensiv die Einhaltung des Ergänzungstarifvertrags eingefordert hatten, schreibt Wolfgang Dehen nun, dass dies von Anfang an auch so vorgesehen gewesen sei: "Selbstverständlich war die vollständige Übernahme des für Würzburg geschlossenen Ergänzungstarifvertrages eine unserer ausdrücklichen Forderungen. Die öffentlich geäußerten Befürchtungen, wir könnten hiervon abweichen, sind absolut unbegründet. Der potenzielle Käufer wollte diesen Ergänzungstarifvertrag für Würzburg in vollem Umfang übernehmen und hätte die hierzu notwendigen Verhandlungen mit den Tarifvertragsparteien baldmöglichst eingeleitet. Alles andere wäre für uns auch nicht akzeptabel gewesen." Vielleicht hätte er das gelegentlich einmal klipp und klar gegenüber den Beschäftigten deutlich machen sollen.

 

IG Metall und Belegschaft wollen den Kampf um die 1.600 Arbeitsplätze auch in Zukunft mit unverminderter Energie weiterführen. Wilhelm Sedelmayer, der Betriebsratsvorsitzende des Standorts, betonte bei einer Kundgebung am 20. April, dass auch die Belegschaft bereit sei, sich mit massiven Streiks gegen einen Verkauf zu wehren.

 

Transparenz ist Trumpf

 

Fest steht jedenfalls schon einmal: Brose wird das Werk in Würzburg nicht übernehmen. Gleichzeitig bemüht sich die Chefetage von MD gegenüber der Belegschaft nun den Eindruck zu erwecken, für die Turbulenzen der letzten 10 Tage seien ohnehin die Arbeitnehmervertreter verantwortlich zu machen, weil die durch ihr indiskretes Verhalten Verkaufsabsichten, Schließungspläne und andere Zukunftsvisionen für Siemens VDO erst an die Öffentlichkeit gebracht hätten: "Einmal mehr ist es bedauerlich, dass unsere Anstrengungen, die wir gerade seitens der Unternehmensleitung in voller Verantwortung für das Wohlergehen all unserer Mitarbeiter weltweit ergreifen, durch Indiskretionen und verzerrte Informationen in Misskredit gebracht werden."

 

Man kann an dieser Stelle aber auch die Frage stellen, ob ohne diese Informationen und die Protestaktion am Würzburg und seine 1.600 Mitarbeiter vielleicht schon verkauft wären. Vielleicht sollte Herr Dehen einfach die Tatsache akzeptieren, dass bei den Beschäftigten in mancher Hinsicht eine andere Auffassung darüber herrscht, was ihrem Wohlergehen dient und was eher den Börsenkurs und die Cash-Reserven fördert. Die Verunsicherung der MitarbeiterInnen in den vergangenen Wochen ausgerechnet deren Information in die Schuhe zu schieben, zeugt jedenfalls von einem reichlich verstaubten Führungsverständnis: Der Chef meint nicht nur zu wissen, was für seine Untergebenen am besten ist, sondern auch, was sie darüber erfahren sollten.

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