Die Leiharbeit in Bayern brummt wie keine andere Branche. Der Vorsitzende des DGB Bayern, Fritz Schösser, sieht deshalb keine Entwarnung, was die Verdrängung regulärer Beschäftigungsverhältnisse durch unsichere Leiharbeitsplätze betrifft. Er widersprach damit Darstelllungen der deutschen Metall- und Elektroindustrie, die einen Rückgang der Leiharbeit prognostiziert hatte.
Nach Angaben des Arbeitsmarktexperten des DGB Bayern, Robert Günthner belegen neue Daten der Bundesagentur für Arbeit den Anstieg der Leiharbeit in Bayern. Im Freistaat waren im Dezember 2007 127.054 Beschäftigte als Leiharbeitnehmer tätig. Die Zahl der Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter ist seit Dezember 1995 um das 5,5-fache von 22.300 auf 127.000 gestiegen.
Laut Günthner ist selbst binnen eines Jahres ein deutlicher Anstieg der Leiharbeit in Bayern zu verzeichnen. Von Januar 2007 (111.300) bis Dezember 2007 nahm die Zahl der Leiharbeiter um 15.000 zu. Den neuen Höchststand in der Branche zeige, so Günthner, auch die Zahl der Verleihbetriebe in Bayern: Im Dezember 1995 gab es in Bayern 1.390 Verleihbetriebe. Bis Dezember 2007 stieg die Zahl der Betriebe auf 3.600 und hat sich damit fast verdreifacht.
Nach Einschätzung des DGB-Experten ist Leiharbeit keine Brücke in eine Festeinstellung. Günthner: „Die jüngsten Daten entlarven den Klebeeffekt als politisch motivierten Wunsch. Die kurze Verweildauer der Leiharbeiter bei den Verleihern spricht nicht für einen qualifizierten Übergang in reguläre Erwerbsarbeit, sondern für ein weit verbreitetes ‚hire and fire’ in dieser Branche.“
Von den 112.000 im Jahr 2007 beendeten Leiharbeitsverhältnissen waren deutlich weniger als die Hälfte, nämlich 47.500 länger als drei Monate und mehr beschäftigt. Für 50.000 Leiharbeiter im Freistaat dauerte das Leiharbeitsverhältnis 1 Woche bis unter drei Monate, für 14.000 gar nur maximal eine Woche.
„Leiharbeit wird im zunehmenden Maße dazu missbraucht, Stammarbeitsplätze abzubauen und sie durch oft unsichere und schlechter bezahlte Beschäftigungsverhältnisse zu ersetzen“, sagte Schösser am Mittwoch in München.
Bayerns DGB-Vorsitzender Schösser forderte eine schnelle Aufnahme der Leiharbeitsbranche in das Entsendegesetz. Widerstände gegen die Pläne des Bundesarbeitsministers, die insbesondere aus der CSU zu vernehmen waren, müssten sofort aufgegeben werden. „Wir brauchen schnell einen Mindestlohn in der Leiharbeit auf Basis des DGB-Tarifvertrages, um dem wuchernden Lohndumping, auch mit Hilfe von Scheingewerkschaften, Einhalt zu gebieten. Wenigstens eine materielle Untergrenze für die ohnehin prekär beschäftigten Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer muss es geben“ betonte Schösser.


