(München) Wer Arbeitskräfte entlässt, oftmals nur um den Profit zu erhöhen, oder keine neuen einstellt und gleichzeitig Lohnverzicht der Arbeitnehmer einfordert, handelt nach Auffassung der IG Metall Bayern menschenverachtend.
„Der Gewerkschaft dann mangelnde Solidarität mit Arbeitslosen vorzuwerfen, weil sie keiner Reallohnsenkung zustimmt, ist ungeheuerlich. Lohnverzicht hilft weder Arbeitslosen und Beschäftigten noch der Wirtschaft“, sagte Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, zu den jüngsten Äußerungen des Arbeitgeberfunktionärs Brossardt, die IG Metall übe keine Solidarität mit Arbeitssuchenden. „Das ist absurd und hirnrissig zugleich“. Deshalb sind die Krokodilstränen der Arbeitgeber nur wegen der laufenden Tarifrunde vordergründig, denn sie leben mit fünf Millionen Arbeitslose „sehr komfortabel“.
Oftmals hören Beschäftigte, die auf Einhaltung von Recht, Gesetz und Tarifvertrag bestehen, dass sie ja gehen könnten, wenn es ihnen nicht passe. Draußen würden genügend Arbeitsuchende warten! „Das ist die brutale Realität“.
Wenn die Arbeitgeber am Verhandlungstisch verkünden, dass man über maximal 1,2 Prozent „Verteilungsspielraum“ verhandeln könne, dann wollen sie erneut Reallohnverluste für Arbeitnehmer und Stillstand oder Kürzungen bei den Renten organisieren, da diese an die Lohnentwicklungen gekoppelt sind. Eine weitere Folge: Finanzlöcher in den Sozialkassen, so Neugebauer.
Diese Arbeitgebervorstellungen führen zur Verarmung breiter Bevölkerungsschichten. „Dagegen wehren wir uns“. Die arbeitenden Menschen haben ein Recht auf Beteiligung am Erarbeiteten, nicht nur die Arbeitgeber. Offenbar wollen die Arbeitgeber durch ihr Verhalten in der Tarifrunde einen Streik provozieren.
Der Gewerkschafter fordert die Arbeitgeber auf, endlich ein verhandelbares Angebot vorzulegen, statt öffentlich zu polemisieren. Dazu haben sie am 24. März in Würzburg die nächste Gelegenheit, sagte Neugebauer.
Die IG Metall Bayern fordert für die 710 000 Beschäftigten der bayerischen Metall- und Elektroindustrie eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um fünf Prozent sowie eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 40 € monatlich pro Ausbildungsjahr. Zudem sollen die Themen Innovation und Qualifizierung tariflich geregelt und der Tarifvertrag über Vermögenswirksame Leistungen wieder in Kraft gesetzt wird.


