Geboren am 24. Juni 1947 in Töging am Inn, feiert der Vorsitzende des DGB Bayern, Fritz Schösser heute seinen 60. Geburtstag. Schösser seit 1990 Vorsitzender des DGB-Bezirkes Bayern. Schösser ist hat zwei erwachsene Kinder, seine Tochter hat ihn zum stolzen Großvater gemacht.
Nach der Mittleren Reife absolvierte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei den Innwerken, Töging. Bereits mit 15 Jahren wurde er Mitglied der ÖTV. Nach der Ausbildung war Schösser bei den Innwerken kurz als Industriekaufmann tätig, ehe er 1968 als Assistent an der ÖTV-Bundesjugendschule St.Andreasberg/Harz seine berufliche Laufbahn bei den Gewerkschaften begann. Weitere Stationen waren, Jugendbildungsreferent bei der ÖTV-Bezirksverwaltung in Düsseldorf, Bezirkssekretär beim ÖTV-Landesbezirk Bayern, Geschäftsführer des DGB-Bildungswerks Bayern, Hauptamtliches Vorstandsmitglied des DGB-Landesbezirks Bayern und seit Februar 1990 Vorsitzender des DGB-Bezirks Bayern.
Fritz Schösser vertritt gewerkschaftliche Positionen nicht nur engagiert - und wenn nötig auch heftig – gegenüber Arbeitgebern und der Bayerischen Staatsregierung, sondern seit vielen Jahren auch in der SPD, der er immer noch die Treue hält, obwohl es ihm die Partei in den vielen Jahren wahrlich nicht leicht gemacht hat, mit ihrer zunehmenden Endfremdung von den Positionen der Gewerkschaften, ihrer Steuergesetzgebung, ihrer Gesundheits- und Rentenpolitik.
Von 1994 bis 1998 war Schösser für die SPD Mitglied des Bayerischen Landtages, und von 1998 bis 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages. Im Deutschen Bundestag war er Mitglied im Ausschuss für Gesundheit und Soziale Sicherung.
Das er als engagierter Vertreter der Interessen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, dabei mit seiner Partei nicht nur einmal über Kreuz geriet, liegt auf der Hand und wohl weniger an ihm, als an der sich verändernden SPD.
Hand heben reicht nicht – Farbe bekennen!
Seine parlamentarischen Ämter hat er aufgegeben, was ihn aber natürlich nicht dran hindert, auch weiter kraftvoll seine Stimme zu erheben und wo nötig die Auseinandersetzung mit den Regierenden zu suchen: „Die Bürgerinnen und Bürger haben nicht nur im Vorfeld von Wahlen das Recht, von Politikern zu erfahren, welche politischen Ziele verfolgt werden. Wir wollen wissen, was unsere Abgeordneten wollen und nicht, was der Fraktionszwang gebietet. Das gilt zu jeder Zeit und für alle Akteure, auch außerhalb von Parlaments“.
Das Politikern es oft gar nicht lieb ist, wenn Bürgerinnen und Bürger genauer hinschauen und wissen wollen, was ihr/e Abgeordneter/e denn da in Berlin eigentlich so macht, ist deutlich geworden, als der DGB Bayern zu den wichtigsten Reformvorhaben der Großen Koalition wie Rente mit 67, Gesundheitsreform und Arbeitsmarktpolitik unter dem Motto „Hand heben reicht nicht - Farbe bekennen“ die bayerischen Bundestagsabgeordneten zu den Reformplänen befragte. „Der DGB Bayern versteht es als demokratisches Grundrecht, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Bayern darüber informiert sind, wie bayerische Bundestagsabgeordnete zu den Reformplänen der Großen Koalition stehen“, sagte Schösser zum Beginn der Befragung und musste erleben – und mit ihm tausende interessierter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer -, dass manche Politiker es gar nicht mögen, wenn man ihnen etwas genauer auf die Finger schaut. Wurde doch bei dieser Befragungi deutlich, dass mancher, der sich bei gewerkschaftlichen Veranstaltungen und am Feiertag zum 1. Mai gerne als Freund der Arbeitnehmer feiern lassen möchte, offenbar ganz ohne schlechtes Gewissen in Berlin die Hand hob, als es galt der Rente mit 67 zuzustimmen, was dann in der Konsequenz zur Ausladung einiger SPD-Politiker als Hauptredner bei Kundgebungen zum 1. Mai dieses Jahres führte.
kritischer Partner der Bayerischen Staatsregierung
Über das Verhältnis von DGB und Staatsregierung ist viel geschrieben worden. Es ist ein Verhältnis, das zwischen guter Zusammenarbeit und Grabesstille schwankt. Was wohl ähnlich wie beim schwierigen Verhältnis zur SPD, weniger am DGB und seinem Vorsitzenden als viel mehr an den wechselnden Interessenslagen der Bayerischen Staatsregierung liegt.
Fritz Schösser gebührt der Verdienst, 1996 mit dem Bayerischen Beschäftigungspakt nach vielen Jahren zum ersten mal wieder eine Form der verbindlichen Zusammenarbeit und konkrete Vereinbarungen mit der Bayerischen Staatsregierung zu Stande gebracht zu haben. Zusätzliche Qualifizierungsmöglichkeiten für Jugendliche ohne Hauptschulabschluss, eine Technologieberatungsstelle unter Federführung des DGB und mit Beteiligung des Bayerischen Sozialministeriums sind heute leider das einzige, was von diesem Beschäftigungspakt übrig geblieben ist, nachdem der bayerische Ministerpräsident Stoiber die Zusammenarbeit auf dem Altar seiner Kanzlerkandidatur geopfert hatte.
Wesentlicher Bestandteil des Beschäftigungspaktes war eine Tariftreueerklärung, nach der die Vergabe öffentlicher Aufträge an die Verpflichtung zur Einhaltung geltender Tarife gebunden war. In Bayern wurde diese Tariftreue umgesetzt und mit Leben erfüllt. Als kurz vor der Bundestagswahl eine solche Regelung auch auf Bundesebene eingeführt werden sollte, war es der Kanzlerkandidat Stoiber, der diese im Bundesrat zu Fall brachte.
Schösser selber legte immer Wert darauf, dass der Kontakt zur Staatsregierung wenigstens auf der Arbeitsebene erhalten blieb. Und in der Tat gibt es in vielen Fachfragen kooperative Zusammenarbeit insbesondere mit dem Wirtschafts- und dem Sozialministerium. Das Verhältnis zum Regierungschef ist seit dessen Aufkündigung des Beschäftigungspaktes allerdings merklich abgekühlt. Bis zum endgültigen Rückzug von Stoiber Anfang Oktober dieses Jahres, wird das wohl auch so bleiben.
Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja andere Umgangsformenen und neue Ansätze der Kooperation mit dem neuen Ministerpräsidenten, an Schösser wird es sicherlich nicht scheitern. Wenn es galt für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer etwas zu erreichen, dann hat Schösser noch immer mit jedem geredet.



