(Pressedienst 37 / 2008) Die Tarifverhandlungen für die 750 000 Beschäftigten der bayerischen Metall- und Elektroindustrie sind ohne Ergebnis auf den 27. Oktober 2008 vertagt worden. Die IG Metall Bayern bekräftigte in der ersten Verhandlungsrunde heute in Nürnberg ihre Forderung nach acht Prozent mehr Geld (inklusive einer sozialen Komponente).
Außerdem fordert die IG Metall Bayern eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um monatlich 75 Euro in allen Ausbildungsjahrgängen.
Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern: „Wir haben eine intensive Debatte über die Höhe der Forderung in den Betrieben geführt. Das Spektrum lag zwischen 7,5 und 15 Prozent, so dass wir mit acht Prozent am unteren Ende geblieben sind. Die sind berechtigt, denn wir hatten im letzten Jahr eine gigantische Konjunktur. Die Ergebnisse der Metall- und Elektroindustrie sind die besten seit 40 Jahren, gleichzeitig klafft die Schere zwischen Unternehmensgewinnen und den Einkommen der Beschäftigten immer weiter auseinander. Es ist nur gerecht, wenn die Beschäftigten an den Gewinnen, die sie erwirtschaftet haben, jetzt auch beteiligt werden. Und die Leute brauchen das Geld. Die überproportionalen Preissteigerungen z.B. im Energiebereich, treffen besonders die unteren Lohngruppen.“
Vor Verhandlungsbeginn hatten 500 Beschäftigte aus der Region für die Forderung der IG Metall demonstriert. IG Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer: „Der Druck aus den Betrieben ist enorm. Die Beschäftigten erwarten eine Erhöhung, die der nach wie vor guten Geschäftslage in der Branche entspricht.“
Die Arbeitgeber haben in der ersten Verhandlungsrunde kein Angebot vorgelegt, sondern die Aussichten für die bayerische Metall- und Elektroindustrie in den düstersten Farben gemalt. Werner Neugebauer: „Die Berufspessimisten vom VBM reden ihren eigenen Laden schlecht. Bei einer zu erwartenden Umsatzrendite von über vier Prozent im Jahr 2008 gibt es nun wirklich keinen Grund zum Jammern.“ Neugebauer forderte den VBM auf, jetzt schnell ein Angebot vorzulegen, um ein Ergebnis am Verhandlungstisch zu ermöglichen.
Auch die IG Metall wisse, so Werner Neugebauer, dass sich das Wirtschaftswachstum im Jahr 2009 vermutlich verlangsamen werde: „Aber es wird ein Plus von voraussichtlich 1,5 Prozent geben. Nach den Wachstumsschüben in den letzten drei Jahren sind das alles andere als schlechte Aussichten.“
Dass die derzeitige Bankenkrise vom VBM als Argument für einen niedrigen Tarifabschluss benutzt wird, bezeichnete Werner Neugebauer als „ökonomischen Quatsch allererster Güte“. Neugebauer weiter: „wenn verantwortungslose Banker hunderte von Milliarden Euro in den Sand setzen, ist das ein Fall für die Justiz, aber bestimmt nicht Gegenstand der Tarifverhandlungen in Bayern.“
Die erfreuliche Entwicklung bei den Arbeitsplätzen in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie (2008 plus 30.000) sei ein Zeichen dafür, dass die Bedingungen in Bayern stimmten. „Wenn die Unternehmer jetzt so tun, als hätten sie die neuen Arbeitsplätze aus sozialem Engagement aufgebaut, ist das ein schlechter Scherz.“
„In vielen Betrieben wird rund um die Uhr gearbeitet. Dass da für die Beschäftigten etwas hängen bleiben muss, ist wohl klar. Die Unternehmer sahnen ab wie selten zuvor. Rechtzeitig zu Beginn der Tarifrunde aber fangen sie an zu jammern. Nur Krokodile weinen noch schöner.“


