Siemens hatte bereits im Sommer 2008 den Abbau von 17.000 Stellen beschlossen, jetzt sind offenbar weitere Arbeitsplätze gefährdet. Finanzvorstand Joe Kaeser bezeichnete einen weiteren Arbeitsplatzabbau vor allem im Industriesegment als "unausweichlich". Wie viele Jobs insgesamt wegfallen sollen, wollte er noch nicht sagen.
Bei einer Analystenveranstaltung in London hat Joe Kaeser erneut auf zunehmende Schwierigkeiten als Folge der Wirtschaftskrise hingewiesen. Die Prognosen für den operativen Gewinn im morgen zu Ende gehenden Geschäftsjahr sieht Kaeser dennoch nicht gefährdet - wohl aber auslastungsbedingt die Arbeitsplätze vor allem im Sektor Industry.
Der Auftragseingang ist laut Kaeser (Foto) im laufenden Schlussquartal nochmals um über ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen. Der Umsatz ist aufgrund des immer noch bestehenden Auftragspolsters weiter ziemlich stabil, Kaeser kündigte einen Rückgang unter zehn Prozent an. Anleger und Analysten dürfte kurzfristig am meisten kümmern, dass die vom April stammende Prognose des operativen Gewinns von mehr als 6,6 Milliarden Euro laut Kaeser "nicht in Gefahr" ist.
Stellenabbau bei Industry
Alarmierender klingen die Aussagen zu Industry: Der Darstellung zufolge ist die Talsohle zwar erreicht, eine spürbare Erholung jedoch derzeit erst für das Jahr 2011 zu erwarten. Da auch dann wegen nur langsam rückkehrender Nachfrage eine Auslastungslücke bleiben werde, so der Finanzchef weiter, sei ein Stellenabbau hier "unausweichlich". Den Mitarbeitern werde man zunächst Abfindungen für ein freiwilliges Ausscheiden anbieten - was dann kommt, mochte er vorerst ebenso wenig ausführen, wie den Umfang des Abbaus.
Mit dieser bereits definitiv klingenden Aussage erhärten sich Befürchtungen, die bereits vor knapp zwei Wochen entstanden waren. Siemens hatte "Hinweise zum Umgang mit personellen Auswirkungen aufgrund von strukturellen Themen und dauerhaften Volumensrückgängen" an seine Personalabteilungen verschickt, die scheinbar unverbindlich zur potenziellen "Notwendigkeit zu Personalanpassungsmaßnahmen" informierte. In dem internen Schreiben hieß es damals man wolle "wie bisher, alle Anstrengungen unternehmen, damit in Deutschland keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden müssen." Werden allerdings, so das Schreiben weiter, bei strukturellen Restrukturierungen die Ziele "trotz aller Anstrengungen" nicht durch sozialverträgliche Maßnahmen erreicht, so "können auch betriebsbedingte Kündigungen notwendig sein" - nun wird der Ton bereits deutlich konkreter.
NSN, Enterprise und BSH "nicht mehr strategisch"
Düstere Wolken ziehen offenbar auch über den früheren COM-MitarbeiterInnen bei Nokia Siemens Networks (NSN) und den anderen Beteiligungen auf: "Das Geschäft mit Telefonnetzen ist nicht dort, wo es stehen sollte", erklärte Kaeser mit Blick auf NSN, weshalb Siemens seinen Anteil noch im laufenden Quartal abwerten und die Probleme in diesem Bereich "aktiv angehen" werde. Zuvor hatte er bereits geäußert, Siemens stufe seine Beteiligungen an NSN, Siemens Enterprise Communications und Bosch Siemens Hausgeräte "nicht mehr als strategisch" ein.



