Die EU hat die Übernahme des Autozulieferers Continental durch die Schaeffler Gruppe ohne Auflagen genehmigt. Schaeffler will das Angebot jetzt zügig vollziehen. Gefährdet werden kann das Projekt jetzt nur noch durch den Streit der Alphatiere.
Viele Beschäftigte bei Conti und bei Schaeffler fassen sich vermutlich an den Kopf und reiben sich bei der täglichen Zeitungslektüre verwundert die Augen: Während Europa mit der ganzen Welt in eine der größten Wirtschaftskrisen seit vielen Jahrzehnten schlittert und zudem die Autobranche samt Zulieferern in einer fetten Strukturkrise steckt, gibt es zwischen den Konzernzentralen in Hannover und Herzogenaurach einen öffentlichen Schlagabtausch.
Angesichts der Krise fragen sich viele Beschäftigte bei Schaeffler wie bei Conti, ob die Manager und die Eigentümer bzw. deren Vertreter, die Aufsichtsräte, gegenwärtig nichts Besseres zu tun haben, als ihre Claims abzustecken? Denn die Beschäftigten machen sich Sorgen. Sie sorgen sich um ihre Arbeitsplätze. Ob diese Arbeitsplätze Orange (Conti), Grün (INA), Rot (FAG) oder Gelb (Luk) angestrichen sind, ist dabei letztlich egal.
Aber die Interessen der Beschäftigten spielen in dem Konflikt keine Rolle. Es ist auch kein Streit um unterschiedliche Zukunftskonzepte, wie sich der neu entstehende Konzernverbund als großer Automobilzulieferer technologisch etc. positionieren soll.
Worum geht es dann? Handelt es sich nur um den üblichen Kampf der Alphatiere, wer künftig das Sagen hat? Bei Firmenübernahmen und Mergers sind derartige archaische Rituale an der Tagesordnung. Die neue Hackordnung muss ausgefochten werden, koste es, was es wolle. Kollateralschäden bei Beschäftigung und Zukunftsprojekten inklusive.
Oder geht es um mehr? Etwa darum, ob die Schaeffler Gruppe mit Hilfe der Banken Conti übernimmt oder ob jetzt Conti mit Hilfe teilweise derselben Banken die Übernahme der Automotive-Sparte von Schaeffler plant? Geht es um den Spagat der Eigentümerfamilie Schaeffler, die auch im neu entstehenden Konzernverbund weiter die Kontrolle behalten will, aber gleichzeitig dringend externe Investoren braucht?
Wahrscheinlich geht die Schlammschlacht auf der Kapitalseite auch um diese und weitere Themen.
Die Beschäftigten in beiden Konzernen erwarten, dass das Management seine Aufmerksamkeit in der Krise voll auf die Lösung der aktuellen Herausforderungen konzentriert. Das erwarten auch die Kunden.
Entscheidend ist für die über 210.000 Beschäftigten in beiden Unternehmen die langfristige Zukunftsorientierung. Sie wollen sichere Arbeitsplätze zu guten Tarifbedingungen.
Das Management im neu entstehenden Konzernverbund hat Besseres zu tun als einen öffentlichen Schlagabtausch!



