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22.06.2009
„Armutszeugnis für Arbeitgeber“

Wirtschaft und Bundesregierung wollen 2009 „jedem ausbildungswilligen und -fähigen Jugendlichen“ eine Lehrstelle anbieten. Was diese schwammige Formulierung bedeutet, wurde wohlweislich nicht erläutert. Auf konkrete Zahlen wollen sich die Arbeitgeber nicht festlegen.

Ingrid Sehrbrock

Erstmals ist ein Spitzentreffen des Ausbildungspaktes zu Ende gegangen, ohne dass die Abschlusserklärung von allen Beteiligten mitgetragen wurde. So verweigerte Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) dem Papier seine Zustimmung, weil sich die Verbände nicht auf die Zielmarke von 600.000 neuen Ausbildungsverträgen festlegen wollten.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock hat es als Armutszeugnis bezeichnet, dass sich die Arbeitgeber im Ausbildungspakt nicht zum Ziel von 600.000 neuen Ausbildungsplätzen bekennen wollten.

„Wenn es uns nicht gelingt, 600.000 Lehrstellen unter Dach und Fach zu bringen  – letztes Jahr waren es 16.000 mehr - wird die Zahl der AltbewerberInnen weiter wachsen“, sagte Sehrbrock. 320.000 hätten sich im letzten oder vorletzten Jahr bereits erfolglos beworben. „Die Zielmarke 600.000 ist die absolute Unterkante, die wir unbedingt erreichen müssen.“

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) habe bereits im April berechnet, dass trotz des demographischen Wandels mindestens 604.000 neue Ausbildungsverträge geschlossen werden müssten, damit sich die Situation der Jugendlichen gegenüber dem Vorjahr nicht dramatisch verschlechtert. „Und dabei ist die problematische Situation der AltbewerberInnen noch nicht einmal berücksichtigt“, kritisierte die stellvertretende DGB-Vorsitzende.

„Gerade in der Krise ist es wichtig, jungen Menschen eine gute Ausbildung zu garantieren. Schließlich wird es auch eine Zeit nach der Krise geben. Ich höre schon die Klage über fehlende Fachkräfte, die dann gerade die Betriebe anstimmen, die sich selbst nicht die Mühe gemacht haben, Jugendlichen durch Ausbildung eine Chance zu geben“, so die stellvertretende DGB-Vorsitzende.

Es zeige sich erneut die Anfälligkeit des Ausbildungssystems für konjunkturelle Einbrüche. „Die Ausbildungschancen junger Menschen dürfen nicht von der Konjunktur abhängen. Wir brauchen deshalb eine konjunkturunabhängige Finanzierung der Ausbildung – zum Beispiel durch Branchenfonds, “ sagte Sehrbrock.

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