(Pressedienst, 29 / 2008) Die IG Metall Bayern hat die im Wirtschaftsausschuss des Siemens-Konzerns vorgestellten Pläne zum Stellenabbau als „nicht akzeptabel“ bezeichnet.
Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, kritisierte den Widerspruch des geplanten drastischen Abbaus zur wirtschaftlichen Situation des Unternehmens: „Siemens steht wirtschaftlich gut da, die Auftragsbücher sind voll. Der geplante Stellenabbau ist vor diesem Hintergrund weder nachvollziehbar noch akzeptabel, und in diesem Umfang völlig überzogen.“
Die verharmlosende Aussage der Unternehmensführung, der geplante Personalabbau werde überwiegend „das mittlere und obere Management“ treffen, ist sachlich falsch und irreführend. Tatsächlich betreffen die Pläne zu rund 75 Prozent Beschäftigte, die unter den Tarifvertrag der IG Metall fallen, beispielsweise Service-Techniker und Verwaltungskräfte.
Der Wirtschaftsausschuss ist am Montag und Dienstag durch die Konzernspitze über die Abbaupläne informiert worden. Dieser Ausschuss dient der Beratung wirtschaftlicher Angelegenheiten und ist kein Verhandlungsgremium. Die vom Unternehmen vorgelegten Unterlagen enthalten zwar eine Fülle von Daten, dennoch bleiben zahlreiche Fragen offen.
Im Anschluss an die Sitzung des Wirtschaftsausschusses gehen den örtlichen Betriebsräten die Informationen über die geplanten Maßnahmen zu. Gesamtbetriebsrat, Betriebsräte und IG Metall werden gemeinsam ihr weiteres Vorgehen beraten. „Sollte es nötig werden, sind in der Folge unterschiedliche Formen des Protestes und des Widerstands möglich“, unterstrich Neugebauer.
Arbeitnehmervertreter und IG Metall werden jeden einzelnen zur Disposition stehenden Arbeitsplatz im Detail überprüfen. „Pauschalkürzungen per Rasenmäher sind mit uns nicht zu machen,“ sagte Neugebauer. Sollte die genaue Überprüfung tatsächlich Abbaubedarf in einzelnen Bereichen ergeben, muss das Unternehmen seiner Verantwortung gegenüber den Beschäftigten gerecht werden: „Ich warne Siemens nachdrücklich vor dem Versuch, sich dieser Verantwortung zu entziehen. Wir erwarten, dass auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet wird.“
Neugebauer betonte: „Die Stärke von Siemens sind die hoch qualifizierten und motivierten Mitarbeiter.“ Mit dem geplanten Abbau ist das Unternehmen jedoch auf dem besten Weg, diese Stärke zu gefährden. Hinzu kommt das Risiko, Know-how zu vernichten, das Siemens in Zukunft dringend benötigt – denn nur mit diesem Wissen wird man international auf den Wachstumsmärkten der Zukunft bestehen können. „Kostensenkung durch Stellenabbau ersetzt keine nachhaltige Strategie, sondern ist ein Zeichen für den Mangel an guten Ideen“, so Neugebauer.
Deshalb fordert die IG Metall Bayern Siemens auf, gemeinsam mit Beschäftigten, Interessenvertretern und IG Metall nach Alternativen zum geplanten Personalabbau zu suchen und tragfähige Konzepte zu erarbeiten.


